Alles in allem neigte er, wie sich schnell herausstellt, zu einem extrem individualistischen, wenn nicht sogar existentialistischen Gesamtbild vom Künstler, der, da er nur seinem „eigenen Rhythmus folgt, nie im Gleichschritt mit der Welt“ ist, statt dessen zeit seines Lebens mit der Welt im Krieg liegt. Dabei keinerlei Tendenz zu einem Genie-Kult und anderen abscheulichen Verherrlichungen von irgendwas oder irgendwem. Er sah den Künstler als einen Menschen, der die Dinge umstellt, nur neu ordnet, mehr nicht, und wie der melancholische Skeptiker E.M. Cioran hegte er eine wahre Schwäche für die Reize des Nichtstuns, weshalb er Picasso wegen seiner Unfähigkeit bedauerte, glücklich zu sein, da er den Segen der Tatenlosigkeit nicht zu genießen vermochte. Dabei unterschlug er seine Hochachtung gegenüber der Originalität dieses Mannes nicht, der „auf alle Fragen, selbst über Dinge, über die er nichts wußte, großartige Antworten“ parat hatte, die, selbst wenn sie verrückt oder verquer waren und die Dinge auf den Kopf stellten, plausibel klangen.
„Textportraits“ by Ralph Ueltzhoeffer & Laura May.
